„Man gab mir den Auftrag, Sie zu töten. Ich bin bereit, alles zu sagen, was ich weiß.“ Diese Zeilen standen in einem Brief, den der türkische Journalist Can Dündar Ende 2020 in seinem Berliner Exil erhielt. Der Absender: Serkan Kurtuluş, ein türkischer Häftling, der in Buenos Aires im Gefängnis sitzt. Den Auftrag zum Mord erhielt Kurtuluş vom türkischen Geheimdienst. Dündar hatte 2015 für die türkische Zeitung Cumhuriyet, deren Chefredakteur er war, über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an den IS und andere extremistische Gruppen in Syrien berichtet. Er wurde der Spionage angeklagt und kam in Untersuchungshaft, die das Höchstgericht dann nach drei Monaten aufhob. Nach einem Anschlag auf ihn gelang es Dündar wenig später nach Deutschland auszureisen. In Abwesenheit wurde er zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt.
2023 besuchte Can Dündar den Mann, der ihn ermorden sollte, im Gefängnis. Er erfuhr von ihm von weiteren Machenschaften. Dündar stieß auf ein Netzwerk von autokratischen, aber auch demokratischen Regierungen, sowie Verbindungen zum organisierten Verbrechen und zu Terrororganisationen.
Can Dündar
Journalist, Autor, Dokumentarfilmer
Im Gespräch mit
Alexandra Föderl-Schmid
Frankreich-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung