In der Ausstellung „Das andere Russland. MEMORIAL“ führt eine Spur auch nach Innsbruck. In einer der Vitrinen liegt „Peters neues Liederbuch für die Ostzone“, ein selbstgemachtes kleines Heft des Schriftstellers Peter Demant mit Liedern aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“. Demant kam 1918 in Innsbruck zur Welt, wurde evangelisch getauft und wuchs im rumänischen Czernowitz auf. Als Folge der sowjetischen Besetzung der Bukowina im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes geriet er in die Maschinerie der Repression. Nach seiner Inhaftierung wurde er noch vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 nach Sibirien deportiert. Man beschuldigte ihn der Spionage. Er erhielt zehn Jahre Arbeitslager und fünf weitere Jahre Verbannung. Rund acht Jahre musste er schlussendlich im stalinistischen Gulag verbringen. Erst 1991 konnte er rechtlich seine Rehabilitation erreichen. Demant hat ein umfangreiches Werk auf Russisch hinterlassen, in dem er auch seine Lagerzeit verarbeitet. Eine noch von ihm selbst Anfang der 90er-Jahre ins Deutsche übersetzte Version davon erschien postum in Innsbruck. Sein Liederbuch übergab Demant 2003 an die Organisation Memorial. 2005, ein Jahr vor seinem Tod, war Peter Demant auf Einladung der Stadt erstmals wieder in Innsbruck zu Besuch.
Kurt Scharr
Historiker, Universität Innsbruck, Herausgeber von „Schaufeln – Schubkarren – Stacheldraht. Peter Demant – Erinnerungen eines Österreichers an Zwangsarbeitslager und Verbannung in der Sowjetunion“ (2014)