03. Ι 04. Ι 05. Mai 2024

Ein Wochenende mit Aussicht

Genau hinsehen, was geschieht.
Ilse Aichinger

Yagódy

Das Ensemble Yagódy ist eines der charismatischsten ukrainischen Folk-Ensembles aus Lwiw / Lemberg. Gegründet im Jahr 2016 an der Theater-Fakultät, brachten Yagódy 2020 ihr Debütalbum heraus. Die vier Gründerinnen reisten durch mehrere Oblaste der Ukraine, um dort die musikalischen Überlieferungen der Menschen aufzuspüren. Aus dieser unerschöpflichen Anzahl von Liedern über das Leben kreieren Yagódy ihren eigenen spannenden und unverwechselbaren Sound. Die Musiker*innen sind im Theater zu Hause und verwirklichen ihre musikalischen Ideen für die Bühne nach dramaturgischen Prinzipien. Ihre Lieder sind Liebesbriefe aus der Vergangenheit, die noch nicht angekommen sind.

Überraschungsfilm

In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Filmfestival Innsbruck IFFI wird am Vorabend der offiziellen Eröffnung des Journalismusfest 2024 ein Überraschungsfilm im Waltherpark gezeigt, der wenige Tage vor Beginn des Festivals bekannt gegeben wird. Der Film wird auch am Vorabend des Festivals, 02. Mai 2024 um 20:30 Uhr im Waltherpark gezeigt.

Leben erzählen: Fluchtbiografien. 

In Zeiten einer aufgeheizten Informationsvermittlung und Meinungsbildung stellt sich die Frage, ob es andere Wege als „News“-Formate braucht, um die Aufmerksamkeit für Themen von langfristiger Brisanz wachzuhalten. Gerade in öffentlichen Debatten rund um Flucht und Migration zeigt sich, dass diese Themen einerseits stark polarisieren und andererseits wichtige „Brennpunkte“ von Erinnerungskultur und Gegenwartsgeschichte sind. Zudem bieten sie oft einen Anker für lang anhaltendes zivilgesellschaftliches Engagement. Wie können (auto)biografische Erzählungen helfen, Wirklichkeit zu bezeugen und eine breite Öffentlichkeit zu erreichen? Wie kann man verhindern, Schicksale zum Objekt von Sensationslust zu machen? Können wir Einzelnen darin gerecht werden und sind biografische Annäherungen ein legitimes Mittel der Information?

Reportagen Live on Stage – „Sushi aus dem Käfig“

„Dein Einzug in die Küchen der Welt war dein Todesurteil“, beginnt die Reportage von Rocío Puntas Bernet, die beim Journalismusfest Innsbruck als szenische Lesung zu erleben ist: eine Reportage über den begehrten Roten Thunfisch. Innerhalb von 30 Jahren brachen die ehemals großen Bestände zusammen. Der weltweite Höhenflug von Sushi hat zu einem massiven Fischereidruck vor allem im Mittelmeer und im Schwarzen Meer geführt. Im türkischen Teil dieser Meere gilt er als ausgerottet. Um den globalen Hunger nach Sushi-Häppchen zu stillen, werden die riesigen Tiere in Massen im Mittelmer gemästet.
Eine Geschichte über die legalen Grauzonen der Lebensmittelindustrie und eine Ode an den Thunfisch. Erstmals präsentieren die Bühnen Bern und das Magazin Reportagen ihr originelles Bühnenformat in Österreich.

Die Angst vor dem dritten Weltkrieg

Standard-Redakteur Eric Frey erklärt im Podcast „Thema des Tages“, wie brisant die heutige Weltlage ist. Wie der Ukrainekrieg die Weltordnung neu schreibt. Was das für China/Taiwan und Nordkorea bedeutet. Und wie die USA und Europa unter Druck kommen. Und er analysiert, wie die vielen Konflikte miteinander verwoben sind und ob und wie es zu einem dritten Weltkrieg kommen könnte, der virtuell schon längst stattfindet.

Armin Thurnher im Gespräch

Armin Thurnher, der im Februar 75 wurde, ist einer der scharfsinnigsten Analytiker Österreichs und ein hervorragender Essayist. Er hat mit seinen Analysen der politischen Situation und der Medienlandschaften in Österreich und Europa den öffentlichen Diskurs geprägt. Thurnher kommt aus Bregenz, hat 1977 die Wochenzeitung Falter mitgegründet, ist deren Herausgeber und weiterhin einer der beiden Chefredakteure. Zudem ist er Autor von 13 Büchern. Zuletzt erschienen der Roman „Fähre nach Manhattan“, der politische Essay „Anstandslos“ und „Preis und Klage. Reden und Nachreden in Versen“. Armin Thurnher erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, im März 2024 den österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik.

Werner Bätzing: „Homo destructor“ 

Angesichts der massiven Umweltzerstörungen, die heute die gesamte Erde betreffen und die die Existenz der Menschen in Frage stellen, stellt sich dringend die Frage: Ist der Mensch ein Homo destructor, der immer und überall seine Umwelt zerstört? Oder besitzt er eine destruktive Seite, die nur unter bestimmten Bedingungen sichtbar wird? Wird der Mensch erst zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Homo destructor?
Der bekannte Geograph und Doyen der Alpenforschung Werner Bätzing geht diesen Fragen in einer umfangreichen Mensch-Umwelt-Geschichte auf den Grund. Eine kulturelle Selbstbegrenzung in früheren Zeiten werde mit der industriellen Revolution, moderner Naturwissenschaft, Aufklärung und Marktwirtschaft in Frage gestellt. Damit setze ein Denken und Handeln ein, das Natur und Umwelt kurzfristig vernutze und die begrenzte Erde zerstöre. Bätzing plädiert in seinem Opus magnum „Homo destructor“ (Beck, 2023) für eine neue kulturelle Selbstbegrenzung.

Fuocoammare

Über ein Jahr lang hat sich der Dokumentarfilmer Gianfranco Rosi auf der italienischen Insel Lampedusa aufgehalten und beobachtet, wie hier tagtäglich Flüchtlinge in der Hoffnung auf ein besseres Leben ankommen und wie die Bevölkerung auf sie reagiert. Im Zentrum des Films, der sich auch mit der Berichterstattung in den Medien auseinandersetzt, steht der zwölfjährige Samuele, der mit seiner Familie Zeuge einer großen menschlichen Tragödie wird. Gianfranco Rosi nähert sich durch Alltagsbeobachtungen einem ebenso realen wie symbolischen Ort und der Gefühlswelt einiger seiner Bewohner*innen, die einem permanenten Ausnahmezustand ausgesetzt sind. Zugleich beschreibt der Film, der ohne Kommentar auskommt, wie sich zwei Welten selbst auf kleinstem Raum kaum berühren.

Osteuropa: Ungarns Medien unter Kontrolle 

Seit Victor Orbán in Ungarn regiert, wurden Medien Schritt für Schritt unter die Kontrolle der Regierung gebracht. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen ist Ungarn Schlusslicht in der EU. Eine der letzten unabhängigen Zeitungen bleibt die Wochenzeitung HVG, deren Chefredakteur beim Journalismusfest zu Gast ist.
Seit kurzem engagieren sich große Stiftungen in osteuropäischen Ländern, um verbliebene Medienvielfalt zu bewahren und so Demokratien zu stärken. Der Investmentfonds Plūrālis wurde 2021 mit dem Ziel gegründet, sich gezielt an osteuropäischen Medien zu beteiligen. Investiert in Plūrālis ist auch die österreichische ERSTE Stiftung.

Hotspot Méditerranée.

Der Mittelmeerraum ist ein Hotspot, an dem sich Krisen und Herausforderungen überlagern. Das Meer erwärmt sich stärker als im globalen Durchschnitt, das Ökosystem wird durch Erdöl- und Erdgasförderung stark beeinträchtigt, der Klimawandel wirkt sich sozialökonomisch auf die Küstengebiete aus, die Großfischerei raubt traditioneller Fischerei die Lebensgrundlage. Aber es gibt auch Pioniere der Nachhaltigkeit und viel Engagement beim Retten Geflüchteter. Der Journalist Stefano Liberti und der Fotograf Francesco Bellina sind für ein großes Reportageprojekt im gesamten Mittelmeerraum unterwegs: Die Recherchereise führt sie nach Murcia und auf Favignana vor Sizilien, nach Tanger und zu den Kerkenna-Inseln vor Tunesien, ins Nildelta und zum Suezkanal, nach Zypern, zu den Inseln Antikythera und Jabuka bis nach Venedig.